THEMA 2026 / 4
Sabine Riedel
◊ zuletzt:
24.08.2026
DIE «NEUSPRACHE» IM ZUKUNFTSROMAN «1984» VON GEORGE ORWELL (1949)
George Orwell, «1984» (1949), Die Wahlsprüche der Partei:
“Krieg ist Frieden – Freiheit ist Sklaverei – Unwissenheit ist Stärke“
“Das Friedensministerium befaßt sich mit Krieg, das Wahrheitsministerium mit Lügen, das Ministerium für Liebe mit Folterung und das Ministerium für Überfluß mit Einschränkungen. Diese Widersprüche sind nicht zufällig, auch entspringen sie nicht einer gewöhnlichen Heuchelei: Es ist die wohlüberlegte Anwendung von Zwiedenken. Denn nur dadurch, daß Widersprüche miteinander in Einklang gebracht werden, läßt sich die Macht unbegrenzt behaupten. Auf keine andere Art und Weise konnte der alte Zyklus gebrochen werden. Wenn die Gleichheit der Menschen für immer vermiden werden soll – wenn die Oberen, wie wir sie genannt haben, dauernd ihren Platz behaupten wollen -, dann muß die vorherrschende Geistesverfassung staatlich beaufsichtigter Irrsinn sein.” (Orwell, 1949: 11 und 320)
♦ Der britische Schriftsteller George Orwell hat in seinem Zukunftsroman «1984», erschienen 1949, den Alltag eines totalitären Systems beschrieben. Eine wichtige Funktion hat das Wahrheitsministerium («Miniwahr»). Es indoktriniert die Menschen mit Propaganda und Sprachregeln: Wörter werden aus dem Wortschatz verbannt und durch neue ersetzt (Orwell 1949: 447). Diese «Neusprache» erzieht die Menschen zum «Zwiedenken», d.h. sie sollen sich widersprechende Begriffe in einem Ausdruck gelten lassen und nicht hinterfragen (a.a.O. 317): So lauten die Wahlsprüche der Partei: «Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke» (vgl. inke Spalte).
♦ Eine solche manipulative Sprachenpolitik, wie sie George Orwell in seinem Roman «1984» beschrieb, hat längst Einzug in die heutigen demokratischen Systeme gehalten. Politik und Medien erfinden in ähnlicher Weise neue Begriffe oder verdrehen Bedeutungen in ihr Gegenteil. Passende Beispiele sind schnell gefunden: Wenige Monate nach seinem Amtsantritt hat der US-Präsident Donald Trump per Verordnung das Verteidigungsministerium in «U.S.Department of War», dt. US-Kriegsministerium, umbenannt. Kriegsminister Pete Hegseth bedient sich einer Orwellschen Sprache, wenn er dabei den Fiedensbegriff missbraucht: «Durch Krieg Frieden schaffen» (war.gov 2025).
♦ Der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs hat diese US-amerikanische Kriegsrethorik bereits übernommen. Sein Präsident, António Costa, erklärte auf einem Gipel-Treffen: «Die EU steht geschlossen hinter ihrer Strategie „Frieden durch Stärke“: verstärkte Unterstützung der Ukraine, verstärkter Druck auf Russland» (consilium.europa.eu, 13.07.2026). Orwells Neusprache zeigt sich im Namen der Teilnehmer, die «Koalition der Willigen», sowie in der Verknüpfung sich ausschließender Begriffe wie Krieg und Frieden. Orwells Zwiedenken ist in der «Europäische Friedensfazilität» erkennbar, mit der die Aufrüstung der EU im Jahre 2021 begann (Riedel 2026/3).
DER BEGRIFF «KÜNSTLICHE INTELLIGENZ» IST EINE WORTSCHÖPFUNG IN ABGRENZUNG ZUR KYBERNETIK
John McCarthy, Was ist Künstliche Intelligenz?, 12.11.2007
“F[rage]. Was ist künstliche Intelligenz?
A[ntwort]. Es handelt sich um die Wissenschaft und Technik der Entwicklung intelligenter Maschinen, insbesondere intelligenter Computerprogramme. Sie steht im Zusammenhang mit der ähnlichen Aufgabe, Computer zum Verständnis der menschlichen Intelligenz einzusetzen, doch muss sich die KI nicht auf biologisch beobachtbare Methoden beschränken.
F. Ja, aber was ist Intelligenz?
A. Intelligenz ist der rechnerische [en. computational – computertechnische] Teil der Fähigkeit, Ziele in der Welt zu erreichen. Verschiedene Arten und Grade von Intelligenz kommen bei Menschen, vielen Tieren und einigen Maschinen vor.
F. Gibt es keine eindeutige Definition von Intelligenz, die nicht davon abhängt, sie mit menschlicher Intelligenz in Verbindung zu bringen?
A. Noch nicht. Das Problem ist, dass wir noch nicht allgemein charakterisieren können, welche Arten von Rechenverfahren wir als intelligent bezeichnen wollen. Wir verstehen einige der Mechanismen der Intelligenz, andere hingegen nicht. […]
Frage: Strebt die KI eine Intelligenz auf menschlichem Niveau an?
A. Ja. Das ultimative Ziel besteht darin, Computerprogramme zu entwickeln, die Probleme lösen und Ziele in der Welt genauso gut erreichen können wie Menschen. Viele Forscher in bestimmten Forschungsbereichen sind jedoch weit weniger ehrgeizig. […]” (stanford.edu, 12.11.2007)
♦ John McCarthy gilt als Vater der «Künstliche Intelligenz» (KI, en. «Artificial Intelligence»), die er seit 1955 als eine neue Wissenschaftsdisziplin etablierte. Er war Schüler von Norbert Wiener, dem Begründer der Kybernetik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und befasste sich mit der Steuerung und Regelung von Maschinen nach dem Vorbild biologhischer Organismen. Doch McCarthy wollte nicht nur von der Natur lernen, er wollte sie nachbauen, d.h. Maschinen entwickeln, die wie das menschliche Gehirn funktionieren und lernen können. Begriffe wie «Automata Studies» oder «Operations Reaserch» eigneten sich nicht, um Forschungsgelder von der Rockefeller Foudation zu akquirieren (fr.de, 12.07.2026).
♦ McCarthy verstand unter Intelligenz den «rechnerischen Teil der Fähigkeit, Ziele zu erreichen» (stanford.edu, 12.11.2007, vgl, linke Seite). Er betrachtete also per Definition nur einen Teil der menschlichen Intelligenz und setzte sie mit der KI gleich. Andererseits unterstellte er Maschinen die Fähigkeit, mit ihrer Rechenleistung bestimmte Ziele verfolgen, d.h. menschlich handeln zu können. Diese Behauptung setzt wiederum voraus, dass die wichtige Frage «wer steuert die Rechenoperation?» ausgeblendet wird. Ansonsten kämen wir schnell darauf, dass nicht der Computer Ziele verfolgt, sondern die Menschen im Hintergrund, die Programmierer und deren Auftraggeber.
♦ Der Begriff «KI» basiert auf verkürzten und widersprüchlichen Definitionen von «Intelligenz». Erst sie machen die Orwellsche Sprachverdrehung plausibel, die Maschinen intelligent erscheinen lassen. Dennoch wurde ein ganzer Forschungszweig danach benannt. Die Kybernetik dagegen, die kaum noch an Universitäten vertreten ist, erforscht weiterhin die Unterschiede zwischen biologischen und künstlichen Systemen (Fuchs 2021). Kriterien sind neben der Steuerung (innen – außen bzw. Wachstum – Programmierung) die Energiezufuhr (organischer Stoffwechsel – Elektrizität), die Homöostase, d.h. Aufrechterhaltung des Gleichgewichts (tägliches Überleben – Reaktion auf Inputs) und Hard- und Software (verbunden – getrennt).
DIE EINFÜHRUNG GENERATIVER KI-MODELLE MIT BEGINN DES UKRAINIE-KRIEGS AM 30.11.2022
US-Kriegsministerium: Vereinbarung mit KI-Unternehmen, war.gov, 01.05.2026
xpert.digital, Industrie Hub & Blog, 24.06.2025:
KI im Krieg: Die digitale Revolution auf dem Schlachtfeld
Welche Rolle Künstliche Intelligenz im Krieg spielt, tagesschau.de 21.08.2023
“Starlink, Palantir, Maxar: In der Ukraine helfen etliche Hightech-Firmen dem Militär. […]
Die Ukraine sei «ein Labor, in dem die künftige Form der Kriegsführung geschaffen wird», drückt es ein Artikel im US-amerikanischen «National Defense Magazine» aus. Der Effekt ist für das Land bereits spürbar: Die «killchain», also der Ablauf einer Attacke vom Aufspüren bis zur Zerstörung eines Ziels wird durch den Einsatz von Targeting-Software erheblich verkürzt – ebenso die Zeit und Arbeitskraft, die zur Datenanalyse abgestellt werden muss.”
“Die moderne Kriegsführung durchlebt eine fundamentale Transformation, die vergleichbar ist mit der Erfindung des Schießpulvers oder der Entwicklung von Nuklearwaffen. Künstliche Intelligenz hat sich von einem Science-Fiction-Konzept zu einer realen Kraft entwickelt, die bereits heute militärische Operationen weltweit prägt und die Art und Weise revolutioniert, wie Konflikte ausgetragen werden. Diese technologische Revolution manifestiert sich in vier zentralen Anwendungsbereichen: der Integration von KI in Drohnensysteme, dem Aufstieg autonomer Robotik, der erweiterten Datenanalytik für strategische Planung sowie dem Einsatz von KI zur Täuschung und psychologischen Kriegsführung. […]” (xpert.digital, 24.06.2025)
“Das Kriegsministerium hat Vereinbarungen mit acht der weltweit führenden Unternehmen für künstliche Intelligenz – SpaceX, OpenAI, Google, NVIDIA, Reflection, Microsoft, Amazon Web Services und Oracle – abgeschlossen, um ihre fortschrittlichen KI-Fähigkeiten auf den geheimen Netzwerken des Ministeriums für legale operative Zwecke einzusetzen. Diese Abkommen beschleunigen die Transformation hin zur Etablierung des US-Militärs als KI-orientierte Kampftruppe und werden die Fähigkeit unserer Kriegskämpfer stärken, Entscheidungsüberlegenheit in allen Kriegsbereichen zu wahren. […]”
♦ Am 30.11.022 hat die US-Firma Open AI als erstes Unternehmen weltweit eine Künstliche Intelligenz (KI) veröffentlicht, die Texte, Bilder oder Programmcodes generieren kann. Dieser «generativen KI» schreiben Wissenschaftler die «Fähigkeit» zu, im Gegensatz zur traditionellen KI «neue Inhalte» zu erstellen (campus.org 2026). Tatsächlich erzeugt auch sie nur neue Kombindationen bereits vorhandener Informationen, aber nichts Neues im Sinne von schöpferischen Innovationen der menschlichen Intelligenz. Die generative KI ist leistungsfähiger aufgrund wesentlich höherer Rechenleistungen und neuer mathematischer Ansätze wie der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
♦ US-HighTec-Unternehmen führten die neue generative KI nicht zufällig Ende 2022 ein. Ein Grund war sehr wahrscheinlich, dass deren militärische Nutzung im Ukraine-Krieg nicht mehr geheim zu halten war. Über Jahrzehnte hinweg haben das US-Verteidigungsministerium und andere US-Behörden die KI-Grundlagenforschung finanziert und neue Modelle erprobt. Doch eine offizielle Bestätigung dafür gab es erstmals im Frühjahr 2026: Das Pentagon gab eine Vereinbarung mit acht weltweit führenden KI-Unternehmen bekannt, die eine Transformation des US-Miliärs in eine «KI-orientierte Streitmacht» einleiten werde (war.gov, 01.05.2026, vgl. linke Spalte).
♦ In den ersten zwei Monaten der Einführung durchlief die KI «ChatGPT» des Unternehmens Open AI eine Testphase, an der 100 Millionen User teilnahmen (chatgpt.ca, 10.06.2026). Ihre Daten in Form komplexer und intelligenter Fragen waren für die Weiterentwicklung der KI entscheidend. Maschinen sind ganz offensichtlich auf menschliche Intelligenz angewiesen. Auch der militärische Einsatz generativer KI-Modelle musste zunächst in einem realen Krieg – in der Ukraine – getestet werden (tagesschau.de 21.08.2023, vgl. linke Spalte). Heute sind die US-Tec-Konzerne Palantir und Starlink, die eng mit US-Geheimdiensten und -Militär zusammenarbeiten, das «Rückgrat der ukrainischen Armee» (english.nv.ua, 09.06.2025)
DIE VERTEILUNG AN CPU-CLUSTER-LEISTUNG (2025): USA: 74,5 % – CHINA: 14,1 % – EU: 4,8 % – RUSSLAND: <3 %
Epoch AI, Die weltweite Verfügung über CPU-Cluster-Leistung, epoch.ai, 05.06.2025
Universität Konstanz, 23.01.2026:
Die nächste Generation an Desinformation
“Bald schon könnten neue «KI-Schwärme» einen öffentlichen Konsens vortäuschen und die Demokratie im Stillen verzerren, warnen Forschende. David Garcia von der Universität Konstanz gibt einen Ausblick auf ein noch nie dagewesenes Ausmaß an Meinungsmanipulation, das den demokratischen Diskurs bedroht. […]
Darüber hinaus können diese schädlichen KI-Schwärme auch die Trainingsdaten von regulärer künstlicher Intelligenz verunreinigen, indem sie das Internet mit gefälschten Behauptungen überfluten. Auf diese Weise können sie ihren Einfluss auf etablierte KI-Plattformen ausweiten. Die ForscherInnen warnen, dass diese Bedrohung nicht nur theoretisch ist: Analysen legen nahe, dass derartige Taktiken bereits angewendet werden. […]” (uni-konstanz.de, 23.01.2023)
♦ Die enge Zusammenarbeit zwischen US-HighTec-Unternehmen und Militär legt den Schluss nahe, dass die USA ihre derzeitigen Kriege weniger zur Verteidigung westlicher Werte führt. Dann müsste sie auf den Einsatz generativer KI-Modelle und die Risiken automatisierter Waffensysteme freiwillig verzichten (heise.de, 06.03.2026). Es geht dem Pentagon um die Sicherung der militärischen Vorherrschaft, die auf den Schlachtfeldern dieser Welt täglich demonstriert, erprobt und weiterentwickelt wird. Der Einsatz generativer KI hat die Erstellung von Lageberichten und die Reaktionfähgkeit beschleunigt. Sie erhöht die Präszision der Waffen und deren Zerstörungskraft um ein Vielfaches.
♦ Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen die Verfügbarkeit der Staaten über generativer KI-Syteme gemessen werden. Die Stanford Universität (Californien, USA) wie auch die OECD haben hierzu Publikationen vorgelegt (Stanford 2026, OECD 2025). Interessant sind zudem die Daten der gemeinnützigen Forschungsorganisation Epoch AI (San Francisco, USA) zur Verfügbarkeit von CPU-Cluster-Leistungen. Danach haben die USA einen weltweiten Anteil an KI-Rechenkapazität von 74,5 Prozent. Mit großem Abstand folgen China (14,1 %) und weit abgeschlagen die EU (4,8 %), während Russland zur Rubrik «Sonstige» zählt und unter 3 Prozent liegt (vgl. linke Spalte).
♦ Generative IT-Modelle haben vor allem die Techniken zur Erstellung von Texten und Bildern perfektioniert und damit der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Denn die Nutzer können Orignal und Fälschung kaum noch unterscheiden und müssen den Selbstauskünften der Autoren vertrauen. Da bekanntlich die Wahrheit das erste Opfer des Krieges ist (US-Senators Hiram Johnson, 1917), kann man von Desinformationen im großen Stil ausgehen, wenn über die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten berichtet wird. Neuer Forschungen widment sich Manipulationsversuchen, die KI «mit gefälschten Behauptungen zu fluten» (uni-konstanz.de, 23.01.2023, vgl. linke Spalte).
DIE ANFÜTTERUNG DER KI MIT KRIEGSPROPAGANDA – STICHPROBE ZUM UKRAINE-KRIEG
Frage 1 an Google-KI:
«Wann hat der Ukraine-Krieg begonnen?»
Frage 2 an Google-KI:
«Nachfrage: wieviel ukrainisches Territorium hat Russland im ersten Monat besetzt? kurze Antwort!»
Quelle: Google (2026, 29. Juli): Google KI-Modus, Antwort auf Prompt „Wann hat der Ukraine-Krieg begonnen?“, 29.07.2026. Verfügbar unter: https://share.google/aimode/KBGNiAtnKLmQUjM6I
Quelle: Google (2026, 30. Juli): Google KI-Modus, Antwort auf Prompt „Nachfrage: wieviel ukrainisches Territorium hat Russland im ersten Monat besetzt? kurze Antwort!“, 30.07.2026. Verfügbar unter: https://share.google/aimode/uRGTfuQ2V5YSUuTUb
♦ In diesem Kapitel wird der Hypothese nachgegangen, dass mit der generativen KI besser als mit Vorgängermodellen manipuliert werden kann und wird (a.a.O.). Die Autorin kann aus eigener Erfahrung berichten, dass sogar Fachgutachter wie auch interessierte Leser «Dr. google», bzw. «wikipedia» oft mehr Glauben schenken als dem berufserfahrenen Experten. Die naive Vorstellung eines «objektiven Datenpools» erledigt sich nach einem Blick in Nutzungsbestimmungen (wikimedia.org, 11.07.2026): Bei Datenbanken gibt es Interessenskonflikte wie bei Fachpublikationen, nur in einem viel größerem Ausmass: Unternehmen beauftragen PR-Agenturen, um Wikipedia u.a. Datenpools zugunsten ihrer Produkte zu beeinflussen.
♦ Bei Nutzung der KI kommen Manipulationstechniken in die Vorderhand, die einseitige Narrative über Kriegsursachen produzieren: Die Technik der Wiederholung entfaltet eine besonders nachhaltige Wirkung. Auf die Frage nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs erweist sich Google-KI als Megaphon suggestiver Schlagwörter, die in keiner Berichterstattung fehlen, z.B. der «russische Angriffskrieg» (vgl. linke Spalte, Frage 1). Dieses Beispiel enthält eine zweite Manipulationstechnik: die selektive Informationsweitergabe. Denn die Ukraine bombardiert seit Kriegsbeginn russische Städte (ukrainetoday.org, 23.04.2022) und sogar Atomkraftwerke (Riedel 2022/4).
♦ Ein weiteres Schlagwort zeigt, dass die generative KI nur ein Instrument der menschlichen Intelligenz (MI) ist: Bis heute hält sich in westlichen Medien und Wissenschaft das Bild von der «russischen Vollinvasion» der Ukraine (bpb.de, 22.02.2026, swp-berlin.org, 16.03.2026). Fest steht, dass Moskau 2022 militärisch intervenierte, um die ukrainische Regierung zu stürzen. Die USA hatten dieses Ziel 2014 mithilfe von Geheimdiensten und NGOs erreicht. Beide Aktionen waren völkerrechtswidrig. Eine russische «Vollinvasion» der Ukraine hat es dagegen nie gegeben. Dies bestätigt Google KI auf Nachfrage: Russland hielt für einen Monat max. 27 Prozent der Ukraine besetzt (vgl. linke Spalte). Heute sind es ca. 20 Prozent.
DIE ANFÜTTERUNG DER GENERATIVEN KI MIT KRIEGSPROPAGANDA – STICHPROBE ZUM IRAN-KRIEG
Frage 1 an ChatGPT:
«Wann begann der aktuelle Iran-Krieg?»
Frage 2 an ChatGPT:
«Nachfrage: Waren die USA nicht auch federführend am Zwölftagekrieg 2025 beteiligt? Kurze Antwort!»
Quelle: Chat GPT-5.5 von OpenAI., Antwort auf Prompt „Wann begann der aktuelle Iran-Krieg?“, 30.07.2026. Verfügbar unter: https://chatgpt.com/share/6a6af2de-e1d8-83eb-bed0-6ba4bcfa0f7d
Quelle: Chat GPT-5.5 von OpenAI., Antwort auf Prompt „Nachfrage: Waren die USA nicht auch federführend am Zwölftagekrieg 2025 beteiligt? Kurze Antwort!“, 30.07.2026. Verfügbar unter: https://chatgpt.com/share/6a6af2de-e1d8-83eb-bed0-6ba4bcfa0f7d
♦ Auch der aktuelle Iran-Krieg zeigt, wie die menschliche Intelligenz (MI) manipulative Konfliktnarrative produziert und KI diese aufgreift und verstärkt. Auffällig ist auch hier die Relativierung der Rolle der USA in diesem Konflikt. Im Ukraine-Krieg blieben die Eigeninteressen Washingtons bislang noch tabu. Dagegen läßt sich im Falle des Iran die militärische Beteiligung der USA nicht mehr verbergen. Hier erweist sich Israel für Washinton als ein idealer Blitzableiter, auf den sich die Hauptverantwortung für Krieg oder Frieden in Nahost abwälzen lässt. Die KI fungiert als Sprachrohr US-amerikanischer Think Tanks, die Washington überwiegend in der Hand einer israelischen Lobby sehen (inss.org, 26.03.2026).
♦ Chat-GPT beantwortet die Frage nach dem Kriegsbeginn entsprechend dieses dominierenden Narrativs: Danach habe Israel am 13.06.2025 den Zwölftagekrieg gegen den Iran begonnen (vgl. linke Spalte). Diese Aussage ist in dieser Kürze korrekt. Doch haben die USA bereits Tage später militärisch eingegriffen und Israels Krieg mit Milliarden unterstützt (cfr.org, 07.10.2025). Die selektive Informationsweitergabe erweist sich auch hier als ein sicheres Manipulationsinstrument, das Washington als wichtige Schutzmacht Israels darstellt. Die militärischen und ökonomischen Eigeninteressen der USA im Konflikt mit dem Iran und den BRICS-Staaten bleiben verborgen.
♦ Generative KI-Modelle erleichtern nicht nur die Manipulation der Kriegsberichterstattungen. Zudem lenkt die anwachsende Flut an Daten und Bildern die Aufmerksamkeit der Beobachter auf Details, deren Echtheit und Relevanz kaum noch beurteilen werden können. Der Blick auf systemische und strukturelle Defizite der internationalen Ordnung wird vernebelt. Maßstäbe für Analysen und Bewertungen (z.B. das Völkerrecht) gehen verloren. Am Ende werden Fragen nach Konfliktlösungen gar nicht mehr gestellt. So verstrickt sich der «aufgeklärte» Westen in verhängnisvolle Widersprüche: Irans Griff nach der Atombombe wird mit Krieg sanktioniert, während man der Ukraine und Israel dieselben Ambitionen durchgehen lässt.
DIE KI BIETET AUF NACHFRAGEN AUCH DIFFERENIERTE INFORMATIONEN – BEISPIEL UKRAINE
Frage 3 an Google-KI:
«Wann hat sich Russland zurückgezogen? Hat das etwas mit den Instanbuler Friedensverhandlungen zu tun?»
Quelle: Google (2026, 30. Juli): Google KI-Modus, Antwort auf Prompt „Wann hat sich Russland zurückgezogen? Hat das etwas mit den Instanbuler Friedensverhandlungen zu tun?“, 30.07.2026. Verfügbar unter: https://share.google/aimode/MNHe2EbEWtoMfVkaw
♦ In diesem letzten Kapitel wird die These gestützt, dass nicht die generative KI manipuliert, sondern deren Konstrukteure und Betreiber. Dies gelingt ihnen nur, wenn sich die Menschliche Intelligenz der KI mental unterwirft und nicht mehr der eigenen Überlegenheit bewußt bleibt. Die MI zeigt sich dagegen in der Souveränität menchlichen Handels, die KI jederzeit für eigene Ziele einzusetzen. So hilft sie auch beim Aufdecken der Manipulationen in Kriegsberichterstattung. Denn auf Einwände reagiert sie ihrer Programmierung gemäß sachlich und «bedankt» sich mitunter für Korrekturen. Kritische Rückfragen «füttern» die Manschinen mit alternativen Interpretationen ihrer Daten.
♦ Mit der KI kann man jene kontroversen Diskurse auf hohem Niveau führen, die bereits aus dem öffentlichen Raum verdängt wurden, so etwa über Ansätze zur Lösung des Ukraine-Kriegs. Eine reale Chance dazu gab es unmittelbar nach Kriegsbeginn. Denn die kritische Nachfrage nach der behaupteten «russische Vollinvasion» (s.o.). bestätigt, dass es sie nicht gegeben hat, wohl aber Kiews Furcht davor. Deshalb ließ sich die Ukraine im März 2022 auf die Istanbuler Friedensgespräche ein. Moskau reduzierte draufhin seine militärischen Aktivitäten, ob als vertrauensbildende Maßnahme oder aus “taktischer Notwendigkeit”, das lässt Google-KI offen (vgl. linke Spalte).
NACHFRAGEN AN DIE KI ZUM IRAN-KRIEG – AUCH HIER: DIFFERENIERTE INFORMATIONEN
Frage 3 an ChatGPT:
«Der Zwölftagekrieg 2025 begann, während der Iran erfolgreich mit der IAEA über dessen Atomprogramm verhandelte. Wurde dadurch eine Konflikt-Lösung verhindert?»
Quelle: Chat GPT-5.5 von OpenAI., Antwort auf Prompt „Der Zwölftagekrieg 2025 begann, während der Iran erfolgreich mit der IAEA über dessen Atomprogramm verhandelte. Wurde dadurch eine Konflikt-Lösung verhindert?“, 30.07.2026. Verfügbar unter: https://chatgpt.com/share/6a6af2de-e1d8-83eb-bed0-6ba4bcfa0f7d
♦ Kritische Nachfragen an die KI zum Iran-Krieg führen ebenfalls zu wissenswerten Details. Auch hier gab es zu Kriegsbeginn Chancen für eine Konfliktlösung. Denn Teheran verhandelte mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über sein Atomprgramm. Der Iran war gesprächsbereit, hatte keine Vertäge verletzt und liess die internationalen Inspektoren ins Land. Doch der Anfang 2025 ins Amt gekommene US-Präsident Donald Trump iniziierte separate Gespräche mit Teheran. Darin diktierte er neue Bedingungen, setzte eine Frist von 60 Tagen und drohten mit militärischen Konsequenzen (congress.gov, 22.05.2025). Nach Ablauf der Frist begann Israel mit der Bombardierung der iranischen Atomanlagen.
♦ Diese Informationen und weitere Details gibt die KI auf gezieltes Nachfragen preis. Doch im Diskurs darüber, ob der Einsatz militärischer Mittel eine Friedenslösung vereitelt hat, bleibt ChatGPT einsilbig. Immerhin wird erwähnt, dass es hierzu unterschiedliedliche Stimmen in Israel und den USA gibt. Auch ohne KI steht fest: Die Bombardierungen des Iran waren und bleiben bis heute völkerrechtswidrig. Wir haben hier eine ähnliche Konfliktsituation wie im Ukraine-Krieg nur mit umgekehrten Rollen, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Während Moskau trotzallem im Rahmen des UN-Systems agiert, unterminiert Washington die Autorität maßgeblicher internationaler Institutionen.
stanford.edu, 12.11.2007, Stanford University, What is Artificial Intelligence? John McCarthy Computer Science Department, Revised November 12, 2007, Abstract, https://www-formal.stanford.edu/jmc/whatisai.pdf.